Den Wald mit allen Sinnen entdecken

Das war das Motto des „Wald-Erlebnis-Spaziergang“ vergangenen Sonntag im Rahmen des Waldfest des Waldkindergarten Wurzelkinder Calw e.V.. Meistens verlässt man sich ja auf seinen Sehsinn, aber was passiert, wenn man sich auf seine anderen Sinne verlässt? Wie fühlt sich eigentlich der Wald an, und kann man ihn auch Hören, Riechen oder gar Schmecken? All dies Fragen wurden auf dem Spaziergang nicht nur geklärt, man konnte es sogar selbst ausprobieren.

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Durch das abwechslungsreiche Programm führten Ralph Mässelhäuser, als Jäger der Kreisjägervereinigung, Calw und Melanie Mässelhäuser, die Wildpflanzen- und Streuobstpädagogin sowie angehender Schwarzwald-Guide ist. Beide sind die Eltern eines ehemaligen Wurzelkindes und kommen gerne, wenn der Waldkindergarten ruft. Den eigentlichen Plan einen klassischen „Lernort Natur“ der Jäger durchzuführen, mussten sie allerdings verwerfen. Der LeNa-Anhänger, mit den Tierpräparaten und Schautafeln, der Kreisjägervereinigung Calw, war bereits für den Naturparkmarkt in Zavelstein gebucht, um hier einer breiten Öffentlichkeit gezeigt zu werden. Die Herausforderung etwas Neues zu gestalten, haben die beiden gerne angenommen. Das Kreisforstamt Calw, in Person von Herrn Werner, war sofort bereit die Waldbox, quasi eine große Schatzkiste für Waldpädagogik, für die Veranstaltung bereit zu stellen.

Um dem Trubel des Festes etwas zu entgehen, machten sich rund 30 Kinder im Alter von ca. 3 bis 13 Jahren auf den Weg an den Waldrand. Nach einer ersten Sinnesübung machte sich die fröhliche Gruppe entlang eines Maisfeldes auf die Pirsch. Plötzlich war ein Geräusch zu hören, eindeutig ein grunzen und noch eins, ob wohl die Wildschweine im Maisfeld sind? Der Jäger konnte die Gruppe schnell beruhigen, sein Sohn hatte sich versteckt und die Geräusche mit einem sogenannten Saulocker lebensnah imitiert. Anhand von Knochenfunden, aus dem Morgenkreis der Wurzelkinder und einer Tiersilhouette erklärte er die Lebensweise, die Nahrung und das Verhalten von Keiler, Bache und Frischling. Jeder der wollte, durfte noch an dem nachempfundenen Duft der Wildschweine riechen.

Als nächste Station legten zunächst alle Kinder gemeinsam, selbst gesammelte Äste, Blätter, Rinden, etc., zu einem frei erfundenen Baum auf einem Tuch zusammen. Dieser war äußerst gelungen, aber keiner speziellen Art zuzuordnen. Daher erklärte Melanie Mässelhäuser die Unterschiede zwischen Tanne, Fichte und Douglasie. Jedes Kind bekam einen Zweig in die Hand und durfte diesen befühlen und beschreiben, daran schnuppern und ihn mit allen Sinnen wahrnehmen. Schnell waren die Unterschiede durch die Kinder herausgearbeitet. „Fichte sticht, Tanne nicht“. Die Tanne und die Fichte waren den Waldkindern wohlbekannt, die Douglasie hingegen war für die meisten Kinder neu, an den zitrusartigen Gerüchen unser Nadelbäume erfreuten sich alle gleichermaßen.

Ein kurzes fiepen lockte die Kinder zur nächsten Station, was war das für ein Fiep? Am Waldrand trat auch noch ein Rehbock aus. Der Jäger erläuterte, dass das Geräusch ein Rehkitz-Fiep war. Er erläuterte das richtige Verhalten, wenn man mal ein Rehkitz finden sollte. Dies darf keinesfalls berührt werden, auch wenn die Versuchung noch so groß ist. Bei einem menschlichen Geruch würde die Gais, also die Mama, das Kitz nämlich nicht mehr annehmen. Bei den Rehen sei es ganz normal, dass das Kitz in den ersten Wochen über mehrere Stunden abgelegt wird. Aber man solle keine Angst haben, die Gais findet ihr Kitz wieder. Ein Geweih durfte noch befühlt und betastet werden, genauso wie ein paar mitgebrachte Felle. Das Abschlussbild sagt wohl alles aus, es war ein schöner Erlebnisspaziergang, Herausforderung gemeistert.